Fuß · Zehenfehlstellungen · Vorsorge

Hallux, Hammerzehe & Co
Warum der Sommer die Füße ehrlich macht

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Dr. Philippe Ghobrial

Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · 20. Juli 2026 · Lesezeit: ca. 5 Min.

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Im Winter verschwinden die Füße in geschlossenen Schuhen – und mit ihnen vieles, was man lieber nicht sieht. Im Sommer ist das anders: Sandalen und Barfußtage zeigen den Ballen an der Großzehe, die gekrümmte zweite Zehe oder die gerötete Druckstelle an der Fußaußenkante. Viele Patientinnen und Patienten kommen genau deshalb in der warmen Jahreszeit zu mir: Nicht, weil der Fuß plötzlich schlechter geworden wäre – sondern weil er endlich wieder sichtbar ist.

Das ist eine gute Gelegenheit. Denn hinter den häufigsten „Schönheitsproblemen" des Fußes stecken meist mechanische Ursachen, die sich in frühen Stadien gut konservativ behandeln lassen – und die ohne Behandlung langsam fortschreiten.

Vier Veränderungen, die Sie ernst nehmen sollten

1. Der Ballen an der Großzehe: Hallux valgus

Die häufigste Zehenfehlstellung: Die Großzehe weicht nach außen ab, am Grundgelenk entsteht der typische Ballen, der im Schuh drückt und sich entzünden kann. Einlagen und Schienen lindern die Beschwerden, die knöcherne Fehlstellung selbst korrigieren sie nicht – sie schreitet unbehandelt meist langsam fort. Mehr zum Hallux valgus →

2. Die gekrümmte Zehe: Hammerzehe und Krallenzehe

Wenn sich die zweite, dritte oder vierte Zehe dauerhaft krümmt, entstehen Hühneraugen und Druckstellen über dem gebeugten Gelenk. Entscheidend ist, ob die Zehe noch beweglich oder schon steif ist: Eine flexible Zehe lässt sich oft mit einfachen Mitteln behandeln, eine fixierte nur noch operativ begradigen. Hammerzehen treten häufig gemeinsam mit einem Hallux valgus auf – und lassen sich dann in einem Eingriff mitkorrigieren. Mehr zur Hammerzehe →

3. Die Druckstelle außen: Schneiderballen

Weniger bekannt, aber genauso lästig: das Gegenstück zum Hallux valgus an der Kleinzehenseite. Der fünfte Mittelfußknochen weicht nach außen ab, an der Fußaußenkante entsteht eine druckempfindliche, oft gerötete Vorwölbung. Weite Schuhe und Polster helfen zunächst; die knöcherne Ursache lässt sich bei Bedarf mit einer kleinen Osteotomie dauerhaft korrigieren. Mehr zum Schneiderballen →

4. Die steife Großzehe: Hallux rigidus

Schmerzt die Großzehe beim Abrollen und wird zunehmend steif – oft mit einem tastbaren Höcker am Gelenkrücken –, steckt dahinter meist eine Arthrose des Großzehengrundgelenks. Anders als beim Hallux valgus bleibt die Zehe gerade, verliert aber ihre Beweglichkeit. In frühen Stadien helfen steife Sohlen und Einlagen; später gibt es gelenkerhaltende und gelenkversteifende Operationsverfahren, die beide zu einem schmerzfreien, belastbaren Gang zurückführen. Mehr zum Hallux rigidus →

Was Sie selbst tun können

  • Schuhwerk prüfen: ausreichend Zehenraum, weiche Materialien, keine dauerhaft engen oder hohen Schuhe
  • Druck entlasten: Polster oder Silikon-Orthesen über empfindlichen Stellen
  • Einlagen: stützen das Fußgewölbe und verteilen die Belastung
  • Fußgymnastik: Zehen spreizen, greifen, barfuß auf weichem Untergrund gehen – das trainiert die kleine Fußmuskulatur

Wichtig zu wissen: Diese Maßnahmen lindern Beschwerden und können das Fortschreiten verlangsamen – eine bestehende knöcherne Fehlstellung machen sie nicht rückgängig. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine ehrliche: Es bedeutet nur, dass man den richtigen Zeitpunkt für den nächsten Schritt nicht verpassen sollte.

Wann Sie zum Orthopäden sollten

  • Schmerzen, die trotz passendem Schuhwerk wiederkehren oder zunehmen
  • Wiederkehrende Entzündungen, Rötungen oder Hühneraugen an derselben Stelle
  • Eine Zehe, die steif wird oder sich nicht mehr aktiv strecken lässt
  • Eine Fehlstellung, die sichtbar zunimmt oder Nachbarzehen verdrängt
  • Zunehmende Einschränkung bei der Schuhauswahl oder beim Gehen

Und wenn es doch eine Operation braucht?

Dann gilt, was für alle planbaren Eingriffe gilt: Der Zeitpunkt gehört Ihnen. Zehenkorrekturen sind elektive Operationen – nach dem Eingriff tragen Sie je nach Verfahren etwa vier bis sechs Wochen einen speziellen Verbandschuh, in dem Sie von Anfang an auftreten dürfen. Viele Patientinnen und Patienten legen die Korrektur deshalb bewusst in eine ruhigere Phase ihres Kalenders. Im Erstgespräch kläre ich Befund und Stadium, und wir besprechen ehrlich, ob überhaupt operiert werden muss – nach meinem Grundsatz: konservativ wenn möglich, operativ wenn nötig.

Als Spezialist für Fußchirurgie führe ich diese Korrekturen selbst durch – in den führenden Privatkliniken Wiens, mit OP-Terminen meist innerhalb von 1–2 Wochen und einem transparenten Kostenvoranschlag vorab.

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