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Arthrose verstehen: Was passiert im Gelenk – und was hilft?

Von Dr. Philippe Ghobrial · Facharzt für Orthopädie & Traumatologie · 2. April 2026 · Lesezeit: ca. 6 Min.

Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Medizin ist ein sich ständig weiterentwickelndes Fachgebiet – trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für vollständige Aktualität übernommen werden. Vollständiger Hinweis →

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. In Österreich leiden schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen darunter – Tendenz steigend. Doch was genau passiert im Gelenk? Welche Behandlungen sind wirklich wirksam? Und wann kommt man um eine Operation nicht mehr herum?

Was ist Arthrose?

Arthrose (Arthrosis deformans) ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel, der die Gelenkflächen überzieht, nach und nach abgebaut wird. Dieser Knorpel hat eine wichtige Funktion: Er dämpft Stöße, ermöglicht reibungsfreie Bewegungen und schützt den darunter liegenden Knochen.

Wenn der Knorpel verschleißt, reiben die Knochen zunehmend direkt aufeinander. Das Gelenk entzündet sich, verformt sich, und jede Bewegung kann schmerzhaft werden. Der Körper versucht, den Schaden zu kompensieren – und bildet dabei oft knöcherne Anbauten (Osteophyten), die die Gelenkbeweglichkeit weiter einschränken.

Welche Gelenke sind am häufigsten betroffen?

  • Kniegelenk (Gonarthrose) – das häufigste betroffene große Gelenk
  • Hüftgelenk (Coxarthrose) – mit typischen Leistenschmerzen
  • Fingergelenke – besonders häufig bei Frauen ab 50
  • Schultergelenk – oft nach früheren Verletzungen
  • Sprunggelenk – häufig nach Unfällen (posttraumatische Arthrose)

Ursachen: Warum entsteht Arthrose?

Die Entstehung ist meist multifaktoriell:

  • Alter: Mit zunehmendem Alter regeneriert sich Knorpel schlechter
  • Übergewicht: Jedes Kilogramm mehr belastet das Knie mit dem Vierfachen beim Treppensteigen
  • Fehlstellungen: O-Beine oder X-Beine verteilen die Last ungleichmäßig
  • Frühere Verletzungen: Meniskusschäden oder Kreuzbandrisse erhöhen das Arthroserisiko deutlich
  • Genetik: Eine familiäre Häufung ist gut belegt
  • Überbelastung: Bestimmte Berufe oder Sportarten können Arthrose begünstigen

Was hilft? Die Behandlungsoptionen im Überblick

Arthrose ist zwar nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar. Das Ziel: Schmerzen reduzieren, die Beweglichkeit erhalten und den Alltag wieder lebenswerter machen.

Konservative Maßnahmen (erste Wahl):

  • Physiotherapie und gezieltes Muskeltraining (stärkt die gelenkstabilisierenden Muskeln)
  • Gewichtsreduktion (einer der wirksamsten Faktoren überhaupt)
  • Schmerzmittel und Entzündungshemmer (kurzfristig, nicht dauerhaft)
  • Hyaluron-Infiltrationen (verbessern die Gelenkschmierung, lindern Schmerzen)
  • Plasmatherapie (PRP) – körpereigene Wachstumsfaktoren zur Regeneration
  • Fokussierte Stoßwellentherapie bei begleitenden Sehnenreizungen

Wann ist eine Operation notwendig?

Wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Lebensqualität trotzdem stark eingeschränkt bleibt, ist eine Operation der nächste logische Schritt. Die Entscheidung treffe ich immer gemeinsam mit dem Patienten – auf Basis des Röntgen- oder MRT-Befunds, der Beschwerden und der persönlichen Lebenssituation.

Bei fortgeschrittener Arthrose (Grad III–IV) ist ein Gelenkersatz (Endoprothese) oft die einzige Möglichkeit, dauerhaft Schmerzfreiheit und Mobilität zurückzugewinnen. Moderne Knie- und Hüftprothesen halten bis zu mehreren Jahrzehnten und ermöglichen ein aktives Leben.

Mein Rat: Nicht zu lange warten

Viele Patienten warten zu lange, bevor sie sich professionelle Hilfe holen – in der Hoffnung, es wird von selbst besser. Arthrose verschwindet nicht. Aber: Je früher ich behandle, desto besser kann ich das Fortschreiten verlangsamen und die Zeit bis zu einer möglichen Operation verlängern.

Wenn Sie unter Gelenksschmerzen leiden, nehmen Sie sich bitte die Zeit für eine fundierte Diagnose. Ein Röntgenbild alleine reicht oft nicht – ich nehme mir die Zeit, Ihre Beschwerden und Ihre Lebensqualität in die Therapieentscheidung einzubeziehen.

Dr. Philippe Ghobrial

Dr. Philippe Ghobrial

Facharzt für Orthopädie & Traumatologie · Wahlarzt Wien · Spezialist für minimal-invasive Gelenkchirurgie

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