Knie · Diagnose · Behandlung
Was tun bei Knieschmerzen?
Ursachen, Diagnose und Behandlung
Dr. Philippe Ghobrial
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · 15. Jänner 2026 · Lesezeit: ca. 5 Min.
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Knieschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Patientinnen und Patienten meine Ordination aufsuchen. Das Knie ist eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers – und gleichzeitig eines der am stärksten belasteten. Eine präzise Diagnose ist der erste und wichtigste Schritt zu einer erfolgreichen Behandlung.
Die häufigsten Ursachen von Knieschmerzen
Meniskusriss
Der Meniskus fungiert als Stoßdämpfer im Kniegelenk. Ein Riss entsteht häufig durch plötzliche Drehbewegungen beim Sport – klassischerweise beim Skifahren, Fußball oder Tennis. Typische Symptome sind stechende Schmerzen bei bestimmten Bewegungen, Schwellungen und das Gefühl, dass das Knie "blockiert".
Arthrose (Gonarthrose)
Die Kniearthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung bei Menschen über 50. Der Knorpel nutzt sich über die Jahre ab, was zu Schmerzen, Steifigkeit – besonders morgens – und einer zunehmenden Einschränkung der Beweglichkeit führt. Die Arthrose entwickelt sich schleichend; oft kommen Patienten erst, wenn der Schmerz bereits das Alltagsleben deutlich beeinträchtigt.
Kreuzbandriss
Das vordere Kreuzband ist eine der häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Ein typisches Zeichen ist ein hörbares "Knacken" beim Unfall, gefolgt von einer raschen Schwellung und dem Gefühl der Instabilität. Ohne Behandlung drohen Folgeschäden am Knorpel und Meniskus.
Patellofemorales Schmerzsyndrom
Schmerzen hinter oder rund um die Kniescheibe, die vor allem beim Treppensteigen, langem Sitzen oder beim Sport auftreten. Betrifft häufig jüngere, aktive Menschen und hat oft biomechanische Ursachen.
Bursitis (Schleimbeutelentzündung)
Eine Entzündung des Schleimbeutels führt zu lokalen Schwellungen und Druckschmerz. Entsteht häufig durch Überlastung oder wiederholte mechanische Reizung.
Die richtige Diagnose: Was passiert in der Ordination?
Beim ersten Termin nehme ich mir ausreichend Zeit für eine gründliche Anamnese: Seit wann bestehen die Schmerzen? Welche Bewegungen verschlimmern sie? Gab es ein konkretes Unfallereignis? Diese Informationen sind oft entscheidend.
Es folgt eine systematische körperliche Untersuchung – spezifische klinische Tests geben bereits wertvolle Hinweise auf die Struktur, die betroffen sein könnte. Je nach Befund ergänze ich die Untersuchung durch:
- Röntgen: zur Beurteilung von Knochen, Gelenkspalt und Arthrose-Ausmaß
- MRT (Kernspintomographie): die genaueste Methode zur Beurteilung von Meniskus, Bändern und Knorpel
- Ultraschall: schnell, strahlungsfrei, ideal für Weichteilstrukturen und Schleimbeutel
Behandlungsmöglichkeiten: Konservativ oder operativ?
Mein Grundsatz lautet: konservativ wenn möglich, operativ wenn nötig. Viele Knieprobleme lassen sich ohne Operation sehr effektiv behandeln. Die Entscheidung treffe ich immer gemeinsam mit Ihnen – transparent und auf Basis der bestmöglichen Evidenz.
Konservative Behandlung
- Physiotherapie: Kräftigung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur zur Entlastung des Gelenks
- Hyaluron-Infiltrationen: Verbesserung der Gelenkschmierung bei Arthrose
- Plasmatherapie (PRP): Eigenbluttherapie zur Förderung der Geweberegeneration
- Fokussierte Stoßwellentherapie: bei Sehnenansatzproblemen und Reizzuständen
- Medikamentöse Schmerztherapie: Antientzündliche Medikamente zur kurzfristigen Schmerzlinderung
Operative Behandlung
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Diagnose einen Eingriff klar indiziert, biete ich folgende minimal-invasive Operationen an:
- Arthroskopie (Gelenkspiegelung): bei Meniskusrissen, Knorpelschäden, freien Gelenkkörpern
- Kreuzband-Rekonstruktion: arthroskopische Technik mit eigenem Sehnenmaterial
- Kniegelenkersatz (Totalendoprothese / Schlittenprothese): bei fortgeschrittener Gonarthrose, wenn konservative Therapie ausgeschöpft ist
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Bitte kommen Sie umgehend, wenn:
- Das Knie nach einem Unfall stark anschwillt oder Sie nicht mehr belasten können
- Das Gelenk sich instabil anfühlt oder "wegknickt"
- Sie unter anhaltenden Schmerzen leiden, die länger als 2–3 Wochen bestehen
- Die Beweglichkeit merklich eingeschränkt ist
Je früher eine genaue Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Behandlungsergebnisse – und desto eher lässt sich oft eine Operation vermeiden.
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